Salam aleikum ‏السلام عليكم‎

»Salam aleikum!« Provoziere ich? In letzter Zeit scheint auch die geringste Anlehnung an dem Islamischen, dem Arabischen, die Gemüter zu erhitzen und zu spalten. In Zeitungs-, Radio- und Fernsehberichten und vor allem in den sozialen Medien erfährt man eine Polarisierung der Meinungen zu diesem Thema, die besorgniserregend ist. Aber zu welchem Thema eigentlich? Viel mehr ist es ein Themenkomplex, so breit gefächert wie die Gesellschaft selbst; ein Themenkomplex, der hier in Deutschland in den letzten Jahren, spätestens jedoch seit Christian Wulffs »Islam-gehört-zu-Deutschland«-Rede, reichlich für Gesprächsstoff gesorgt hat. Der Tonfall der Diskussion ist durch die neuesten Entwicklungen im Nahen Osten, in Afrika und sogar auf europäischem Boden nur rauer geworden.

»Salam aleikum! Friede sei mit dir!« Oder einfacher ausgedrückt: »Hallo!«
Diese Begrüßungsformel hat der Junge namens Kalle Kompass in dem Kinderbuch »Kalle Kompass in Ägypten« vor seiner Reise nach Ägypten im Internet ausfindig gemacht und auswendig gelernt. Als Kind hat Kalle scheinbar wenig mit den wahren, aktuellen Begebenheiten zu tun; seine Welt scheint fernab von der unsrigen mit ihren verworrenen Themenkomplexen zu existieren. Kalle ist einfach ein junger Abenteurer auf Entdeckungsreise. Die Reise in das Land der Pharaonen bringt ihn in Kontakt mit neuen Landschaften und Menschen, mit fremden Bräuchen und Sitten, mit ungewohnten Geschmäcken, Gerüchen und Geräuschen. Er saugt alles in sich auf: Den Trubel des Basars, die Mächtigkeit der Pyramiden, die Kontraste der Wüste. Im Vordergrund aber steht für ihn die neu gewonnene Freundschaft zu dem deutschen Mädchen ägyptischer Herkunft namens Sameer. Mit ihr zusammen Neues zu entdecken ist für Kalle das Allerschönste.

Doch auch in dieser fiktiven Kindergeschichte erhascht man einen Blick auf die reale Welt mit ihren weniger angenehmen Seiten. Während eines Kamelritts durch die Wüste gilt Kalles Misstrauen einem ägyptischen Jungen, der die Karawane begleitet und dabei die Touristen ganz genau beobachtet. „Der führt doch etwas im Schilde“, denkt sich Kalle. Als Sameers Amulett verschwindet, denkt Kalle sofort an ihn als möglichen Dieb, neben einem anderen Touristen aus ihrer Gruppe, der sich als der wahre Dieb herausstellt. Das Fremde, das Unbekannte zu verdächtigen kommt aber als erste Reaktion. Wo Barrieren, wie etwa Sprachbarrieren existieren, herrscht oft Angst statt Vernunft. Diese kann, wenn sie das normale Maß an natürlicher Vorsicht überschreitet, zu Vorurteilen führen und womöglich gefährlich werden. Wie schön also, dass es der ägyptische Junge ist, der Kalle die Identität des wahren Diebes enthüllt und ihn durch den Basar zu dem Verbleib des Amuletts führt.

Zu oft achten wir mehr auf das, was uns von anderen unterscheidet, als auf das, was uns vereint. Während wir uns heute in Kopftuchdebatten verwickeln oder Worte über Deutschgebote verlieren, verpassen wir die Möglichkeit Entdeckungsreisen zu unternehmen, als Abenteurer Neues über andere Menschen und deren Kulturen zu erfahren. Ob nah oder fern, ob in Deutschland oder Ägypten, diese Möglichkeiten existieren für uns. Mit den wissbegierigen Augen eines Kindes sollten wir diese Möglichkeiten doch wahrnehmen und uns nicht von Vorurteilen ablenken lassen.

Eine goldene Regel des Bloggens ist es, regelmäßig den Content zu pflegen, damit der Inhalt frisch und relevant wirkt. Es bleibt zu hoffen, dass gewisse Textstellen dieses Blogs bald überholt sein werden und einer Neuformulierung bedürfen. Es wäre schön, wenn die jetzigen Spannungen, die die Gesellschaft durchziehen, bald der Vergangenheit angehören würden. Dann würden vielleicht mehr Menschen wie der kleine Kalle Kompass die Freude des kulturellen Austauschs für sich entdecken und auch auf die arabische Begrüßung »Salam aleikum« mit den passenden Worten antworten: »Wa aleikum al salam! – Sei ebenfalls gegrüßt und der Friede sei auch mit dir/mit euch!«

‏وعليكم السلام‎

Dr. Claire Lambert-Bechtel
c.lambert-bechtel@e4kids.de
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